Berlin, künstliche Intelligenz und Weihnachtszeit – Der Winter 19/20 im Schmittie

Das Schmittie Wintersemester begann mit frischem Wind in der Besetzung des Hauses und so konnten wir mit drei neuen Mitbewohnerinnen und einer Zwischenmieterin in die kalte Jahreszeit starten, die sich schon bald gut eingelebt und an den üblichen Trubel gewohnt hatten. Neben dem Zuwachs verließen uns allerdings auch zwei unserer bekannten Gesichter für einige Monate gen Südhalbkugel, um dort Sonne zu tanken.

Das neue Semesterprogramm „(Un-)Berechenbar? Wie K.I. Unsere Gesellschaft verändert“ verschaffte uns dieses Jahr einen breiten Überblick über den Einfluss von Algorithmen & Co. auf Gesellschaft, Recht, Demokratie uvm. Timo Daum schaffte eine kritisch beleuchtende Grundlage über die Thematik, bei Christian Klaes lernten wir die Vorzüge und Herausforderungen moderner „Roboterprothetik“ kennen, gemeinsam mit Alina Machert beschäftigte wir uns mit Fragen zur rechtlichen Stellung von künstlicher Intelligenz und dem Umgang mit ihr in Behörden und zuletzt stellte Kristina Penner die Problematik von K.I. als Entität in einem demokratischen Staat vor. Auch im Schmittiegottesdienst Anfang Dezember stellten wir uns die Frage, ob sich Menschlickeit und künstliche Intelligenz verbinden lassen.

Absolutes Highlight des Semesters war unsere Fahrt ins klirrend kalte Berlin vom 13. bis 15. Dezember:  Nach der Ankuft mit dem Zug besuchten wir das Paul-Löbe-Haus und lernten den Umgang der Bundesregierung mit vorschreitender Modernisierung/Automatisierung kennen, die in der „Enquete-Kommission K.I.“ Ideen, Lösungen und Anregungen aus Spezialistenhand sammelt. Die Beraterin der frisch gebackenen SPD-Fraktionsvorsitzenden Saskia Esken war dabei für alle Fragen der verschiedenen Schmittie-Spezialgebiete (Jura, Medizin, Wirtschaft, Bildungswesen etc.) im K.I.-Kontext offen. Nach einer Mittagspause in der gläsernen Besucherkantine vor Ort machten wir uns auf den Weg zum Microsoft-Headquarter Berlin, nicht ohne davor noch einen Blick auf das nahegelegene Brandenburger Tor bei Sonnenuntergang zu erhaschen. Im modernen Büro-/Besprechungszentrum angekommen erklärte man uns, wie die Firma mit modernen Algorithmen (beispielsweise zur Spracherkennung und Übersetzung) arbeitet und welche Schlüsselziele sie damit verfolgt. Abschließend zeigte die Mitarbeiterin noch die zukunftsträchtigen Einsatzmöglichkeiten von K.I. mithilfe des geheimnisvollen Geräts in der Mitte des Besprechungstisches: Die silberne Technikspinne stellte sich als 360°-Konferenzkamera und -mikrofonsystem heraus, das selbstständig per Spracherkennung den „Blick“ auf Sprechende richtet und diese für die anderen Konferenzteilnehmer*innen sicht- und hörbar macht. Erschöpft von Fahrt, Fußmärschen und Fachtermini luden wir unser Gepäck im Hostel ab und machten uns auf den Weg zur abendlichen Raubtierfütterung in einer kleinen Pizzeria. Trotz eindringlicher Vorwarnung waren alle sehr erstaunt, als die Riesenpizzen selbst zu zweit eine echte Herausforderung wurden. Satt und platt setzte sich eine Hälfte der Gruppe nach dem ausgiebigen Abendessen noch in eine Kneipe in der die Luft vor Zigarettenrauch zum Schneiden dick war und wir „Zugezogenen“ kritisch beäugt wurden. Nach dem langen Freitag entschieden sich alle relativ schnell, das Nachtleben Nachtleben sein zu lassen und in die wohlverdienten Kojen zu schlüpfen. Am nächsten Morgen brachen wir nach einem reichhaltigen Frühstück zum Futurium auf. In diesem frischeröffneten Mitmachmuseum wird die Modernisierung sämtlicher Lebensbereiche mit kreativen Exponaten, Kunstgegenständen und interaktiven Faktentafeln greifbar gemacht. Ob kleine beschreibbare Ideenbücher zu Müllvermeidung und nachhaltigem Lebensstil, die K.I.-Robotikecke oder kunstvoll gestaltete Infowelten zum Thema erneuerbare Energien: Spaß hatten alle Schmitties beim Entdecken und Dazulernen! Ein paar Stunden lang erkundeten die Schmitties Berlin auf eigene Faust um sich danach in Berlin Mitte bei einer ganz besonderen Ausstellung wiederzutreffen: „Latent beings“, ein Projekt des türkischen Künstlers Refik Anadol, ist eine packende Licht-, Bild- und Soundinstallation, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Bewegungsprofile der Besucher*innen mit Aufnahmen aus der deutschen Hauptstadt verbindet und somit jeden Moment des Kunstwerks einzigartig macht. Geflasht von dem beeindruckenden Gesamteindruck der Installation ließen wir den letzten Abend mit köstlicher indischer Küche ausklingen und verließen am nächsten Morgen um vielen neuen Infos und Anregungen zum Thema künstliche Intelligenz reicher mit dem Zug eine der „K.I.-Hauptstädte“ Europas.

Zum Ende des Jahres wurde es natürlich auch im Sachsenring 26 besinnlich und so begann unsere Weihnachtssaison 2019 mit dem wunderschön selbstgestalteten Schmittie-Adventskalender, der mit Tannengrün geschmückt den Treppenaufgang zierte. Am ersten Advent öffnete das Schmittie im Zuge des lebendigen Adventskalenders allen seine Tür, die in gemütlicher Runde Suppe essen, Weihnachtsgedichten und einem Schmittie-Musikensemble lauschen und gemeinsam singen wollten. Ebenso geruhsam war diesen Winter die alljährliche Schmittie-Weihnachtsfeier: Unter dem stilvoll geschmückten Tannenbaum, der schon seit Anfang November unseren Erker zierte, kamen wir mit Speis und Trank zusammen, um uns auszutauschen, gemeinsam zu schlemmen (nichts können wir besser als das) und unseren Wichtelpartner*innen mit einem Gedicht und einer kleinen Aufmerksamkeit eine Freude zu bereiten. Besonders lässt sich dieses Jahr hervorheben, dass die Texte nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Russisch (mit ungeplanter aber dennoch einwandfreier Simultanübersetzung) verfasst waren. Selig grinsend machten sich alle in der Woche vor Weihnachten nach und nach in die Heimat auf und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man auf den Lippen einiger Schmitties ein freudiges „Driving home for christmas“ erahnen (jedoch leider nicht begleitet von weißen Flocken).

Den letzten Part unseres Wintersemesters stellen, wie sollte es als Kölsche Frohnatur auch anders sein, Karneval und die Schmittieparty dar. Die fünfte Jahreszeit wurde wie immer am 11.11. um 11.11 Uhr mit einem bunten Frühstück unter Freunden und lauter Musik eingeläutet, woraufhin sich die Feierei auf den Grünstreifen verlagerte, der während der Feiertage als Treffpunkt vieler Südstadt-Jecken dient. Unsere WS-Schmittieparty hingegen stand unter dem Motto „Spaceparty“ – und wie dieses Motto dieses Mal ernst genommen wurde! Unter beleuchteten Pappmaché-Planeten tanzten Aliens mit schwarzen Löchern, Starmenmen lagen Spacecowboys in den Armen und an der Bar stießen Tierkreiszeichen mit Yedi-Rittern an. Es wurde getanzt (von Discofox bis Shuffle) bis tief in die Nacht (für manche sogar bis in den Morgen) und am nächsten Tag mussten sich alle erst einmal von dieser galaktischen Gaudi erholen.

Das Wintersemester beenden wir in der Klausurenphase, nur selten sieht man in dieser Zeit Schmitties in der Küche faulenzen und die Bibliothek ist oft bis auf den letzten Platz besetzt, und verabschieden uns von gleich vier Schmitties, die ihr Weg in den Süden Deutschlands, den Norden Kölns, den Nordosten Europas oder auf die andere Seite der Welt verschlägt.

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