{"id":889,"date":"2018-04-30T18:11:17","date_gmt":"2018-04-30T16:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/?page_id=889"},"modified":"2018-04-30T18:33:20","modified_gmt":"2018-04-30T16:33:20","slug":"die-ersten-jahre","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/die-ersten-jahre\/","title":{"rendered":"Die ersten Jahre"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36\">\n.flex_column.av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36{\n-webkit-border-radius:0px 0px 0px 0px;\n-moz-border-radius:0px 0px 0px 0px;\nborder-radius:0px 0px 0px 0px;\npadding:0px 0px 0px 0px;\n}\n<\/style>\n<div class='flex_column av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36 av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_textblock  avia-builder-el-first  first flex_column_div av-zero-column-padding '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_heading-0a3a850dddc26463cde106635f06c696\">\n#top .av-special-heading.av-av_heading-0a3a850dddc26463cde106635f06c696{\npadding-bottom:10px;\n}\nbody .av-special-heading.av-av_heading-0a3a850dddc26463cde106635f06c696 .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n.av-special-heading.av-av_heading-0a3a850dddc26463cde106635f06c696 .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-av_heading-0a3a850dddc26463cde106635f06c696 av-special-heading-h3  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag'  itemprop=\"headline\"  >Die ersten Jahre<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_textblock-a46e63d3243520f360b66d40f943954f\">\n#top .av_textblock_section.av-av_textblock-a46e63d3243520f360b66d40f943954f .avia_textblock{\nfont-size:14px;\n}\n<\/style>\n<section  class='av_textblock_section av-av_textblock-a46e63d3243520f360b66d40f943954f'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Dr. Josef Wilhelm Schmitz (1929-2017) geh\u00f6rte zu den Ersten, die\u00a01953 in das Kreuz\u2010Kolleg eingezogen. Anl\u00e4sslich des 60j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Hauses erinnerte er sich.<\/p>\n<div id=\"attachment_896\" style=\"width: 1040px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-image-896 size-large\" src=\"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Helene-Schmittmann-und-die-Hausgemeinschaft-am-02.-April-1955-1030x687.jpg\" alt=\"Helene Schmittmann und die Hausgemeinschaft am 2. 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April 1955<\/p><\/div>\n<\/div><\/section>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_half-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36\">\n.flex_column.av-av_one_half-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36{\n-webkit-border-radius:0px 0px 0px 0px;\n-moz-border-radius:0px 0px 0px 0px;\nborder-radius:0px 0px 0px 0px;\npadding:0px 0px 0px 0px;\n}\n<\/style>\n<div class='flex_column av-av_one_half-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36 av_one_half  avia-builder-el-3  el_after_av_textblock  el_before_av_one_half  first flex_column_div av-zero-column-padding column-top-margin'     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914\">\n#top .av_textblock_section.av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914 .avia_textblock{\nfont-size:12px;\n}\n<\/style>\n<section  class='av_textblock_section av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>&#8222;Damals waren der Krieg und die harten Jahre der Nachkriegszeit noch nicht lange vorbei, und die wirtschaftliche Erholung stand noch sehr im Anfang. In der Stadt vollzog sich zwar der Wiederaufbau recht z\u00fcgig, aber es war damals noch schwierig, ein Zimmer zu bekommen, wahrscheinlich noch schwieriger als heute. Die meisten Eltern waren in dieser Zeit noch recht schlecht gestellt, so dass von ihnen keine finanzielle Unterst\u00fctzung zu erwarten war; die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter waren niedrig, der Bedarf nach einigerma\u00dfen bezahlbaren Familienunterk\u00fcnften gro\u00df. Baf\u00f6g gab es noch nicht, fast alle<strong> Studenten mussten nebenher oder zumindest in den Ferien<\/strong> arbeiten.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden war die M\u00f6glichkeit, in einem Studentenheim unterzukommen, ein besonderer Gl\u00fccksfall. Mein Freund Hans Kalthoff, der Philosophie studierte, und ich waren mehrere Semester tagt\u00e4glich vier Stunden mit Bus und Bahn zu und von der Uni unterwegs gewesen und suchten schlie\u00dflich eine Wohnung in K\u00f6ln. Zuerst haben wir es in der Katholischen Studentengemeinde in der Bachemer Stra\u00dfe versucht \u2013 leider ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Studentenpfarrer Wistuba, der kurz danach in den Alpen t\u00f6dlich abst\u00fcrzte, wies uns aber darauf hin, dass Frau Professor Schmittmann soeben ein kleines privates Studentenheim am Sachsenring er\u00f6ffnet habe. Wir erhielten bei ihr sofort einen Vorstellungstermin, und im Verlauf eines l\u00e4ngeren Gespr\u00e4chs erl\u00e4uterte sie uns, dass das Kreuz\u2010Kolleg mehr sein sollte als ein reines Wohnheim, sondern eher ein Haus der Begegnung, das junge Leute aus dem In\u2010 und Ausland zu einer selbstverwalteten Gemeinschaft auf christlicher Grundlage zusammenf\u00fchren sollte. Auf dieser Grundlage sollten sie auch bef\u00e4higt werden, sp\u00e4ter Verantwortung in Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Kirche zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Kalthoff und ich schienen die Pr\u00fcfung bestanden zu haben und konnten bereits ein paar Tage sp\u00e4ter einziehen. Uns wurde ein kleines Zimmer auf der dritten Etage neben der Hausmeisterfamilie Walter zugewiesen. Das Zimmer hatte schr\u00e4ge W\u00e4nde und gerade Platz f\u00fcr zwei Klappbetten, einen Schrank, zwei kleine Arbeitstische, zwei St\u00fchle und ein Waschbecken. Auf derselben Etage befand sich ein weiteres kleines Einzelzimmer und ein Zwei\u2010 bis Dreibettzimmer, und neben der Hausmeisterwohnung der Familie Walter eine Etagendusche und eine Toilette. F\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse war die Wohnung geradezu luxuri\u00f6s, denn uns stand ja noch eine K\u00fcche mit Essraum, anfangs sogar ausgestattet mit ein paar S\u00e4cken Kartoffeln und B\u00fcchsen mit Fertigmahlzeiten, die von einer Gro\u00dfveranstaltung \u00fcbrig geblieben waren, die Bibliothek mit Vortragsraum und ein Besuchszimmer zur Verf\u00fcgung. Nach meiner Erinnerung wohnten damals 24 Studenten im Hause, nahezu alle in Doppel\u2010 und Dreibettzimmer; nur Senior und Heimleiter besa\u00dfen Einzelzimmer. (In den sechziger Jahren ist das Haus noch um ein paar Zimmer erweitert worden.)<\/p>\n<p>Die Hausgemeinschaft war sehr unterschiedlich in dieser Zeit. Die eine H\u00e4lfte bestand aus jungen Abiturienten, die andere war zum Teil \u00fcber drei\u00dfig Jahre alt. Viele von ihnen waren lange im Krieg gewesen, hatten zum Teil eine lange Kriegsgefangenschaft in Russland hinter sich, waren schwer verwundet gewesen. Schon der Alters\u2010 und Erfahrungsunterschied war ein Grund daf\u00fcr, dass die unterschiedlichen Interessen und die Diskussionen oft hitzig waren und wir J\u00fcngeren mit Vielem konfrontiert wurden, von dem wir bis dahin keine Ahnung hatten. Die Hausgemeinschaft war zu dieser Zeit eine reine M\u00e4nnergesellschaft, Studentinnen kamen erst Ende der siebziger Jahre ins Haus. Die ersten Studenten waren vorwiegend Philologen, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen. Die anderen Fakult\u00e4ten waren kaum vertreten.<\/p>\n<p>In der Hausordnung gab es einen sogenannten Damenparagraphen, der immer wieder zu Diskussionen Anlass gab. Er besagte, dass Damen keinen Zugang zu den Zimmern der Studenten hatten, sondern nur im Besuchszimmer empfangen werden durften, und zwar, wenn ich mich recht entsinne, bis l\u00e4ngstens 22 Uhr.<\/p>\n<p>Nun zun\u00e4chst ein Wort zu Frau Schmittmann. Sie wurde, wie damals \u00fcblich, von nahezu allen mit &#8222;Frau Professor&#8220; angesprochen; unter uns nannten wir sie allerdings &#8222;Tante Ella&#8220;. Als das Kreuz\u2010Kolleg in Erf\u00fcllung des Testaments ihres Mannes er\u00f6ffnet wurde, war sie 73 Jahre alt. Sie war eine f\u00fcr ihr Alter repr\u00e4sentative, gut aussehende vornehme Dame mit lebhaften Augen und stets sehr offen im Gespr\u00e4ch. Sie war immer sehr freundlich und verstand es, auf Menschen zuzugehen. Ihre Sprache verriet deutlich ihre k\u00f6lnische Herkunft. Sie trug meist lange dunkle Kleider, kaum Schmuck, aber immer ein eng anliegendes Seidenband um den Hals.<\/p>\n<p>Als das Kreuz\u2010Kolleg er\u00f6ffnet wurde, zog sie mit ihrer langj\u00e4hrigen Haush\u00e4lterin Fr\u00e4ulein Traud auf die andere Seite des Sachsenrings in das Haus Nr. 51 auf den ersten Stock. Sie oder Fr\u00e4ulein Traud kam aber t\u00e4glich ins Kreuz\u2010Kolleg, um Material zu verteilen oder anfangs auch nur um die H\u00fchner zu f\u00fcttern, die sie hinter dem Studentenheim noch hielt.<\/p>\n<p>Wenn Frau Schmittmann Besuch in ihrer Wohnung hatte, lud sie in aller Regel einige Kollegiaten dazu ein. Die Gespr\u00e4chsf\u00fchrung lag zwar immer bei ihr, jedoch achtete sie stets darauf, dass auch die jungen Leute immer angemessen zu Wort kamen.<\/p>\n<p>Besonders in politischen Fragen mischte sich Frau Schmittmann auch \u00f6ffentlich ein. Schon vor 1950 hatte sie einen Verein, die &#8222;Katholische Europaliga&#8220; gegr\u00fcndet. Dieser Verein war eigentlich kein Verein, denn er war nicht eingetragen, hatte au\u00dfer ihr kein Vorstandsmitglied, kein Kapital, keine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, sondern war einzig ihr Sprachrohr gegen\u00fcber vielleicht einigen hundert einflussreichen Bekannten, Politikern, Kirchenleuten etc. An diesen Kreis richtete sie etwa alle zwei bis drei Monate einen Rundbrief, in dem sie ihre Gedanken zu Zeitproblemen in ausgefeilter Sprache zum Ausdruck brachte. Den Entwurf dieser Rundbriefe dr\u00fcckte sie einem halben Dutzend Kollegiaten einige Tage vor Versand in die Hand und erwartete von uns Stellungnahmen, Anregungen oder Korrekturen.<\/p>\n<p>Die Katholische Europaliga f\u00fchrte Frau Schmittmann in die bestimmenden Gremien mancher europ\u00e4ischer Organisationen, den Deutschen Rat der Europ\u00e4ischen Bewegung, die Europa\u2010Union, den Bund Europ\u00e4ischer F\u00f6deralisten. In den Vorst\u00e4nden dieser Organisationen arbeitete sie engagiert mit und ihre Beitr\u00e4ge wurden von allen sehr ernst genommen. Auch in K\u00f6lner politischen und kulturellen Institutionen war ihr Rat gefragt.<\/p>\n<p>Frau Schmittmann war eine sehr starke Frau. Nachdem sie die Nachricht erhalten hatte, dass ihr Mann in Oranienburg einem &#8222;Herzanfall&#8220; erlegen sei, erwirkte sie in Berlin die Anordnung eines Ministeriums, dass der Leichnam nicht zu verbrennen, sondern zur Abholung durch Frau Schmittmann bereitzustellen sei. Sie holte also den Leichnam in einem von ihr besorgten Sarg, der verl\u00f6tet und mit Eisenb\u00e4ndern umschlossen war, im KZ ab und brachte ihn pers\u00f6nlich zur Beerdigung nach D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<\/div><\/section><\/div>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_half-9c1d454dc06f7247226bc4e8f931daae\">\n.flex_column.av-av_one_half-9c1d454dc06f7247226bc4e8f931daae{\n-webkit-border-radius:0px 0px 0px 0px;\n-moz-border-radius:0px 0px 0px 0px;\nborder-radius:0px 0px 0px 0px;\npadding:0px 0px 0px 0px;\n}\n<\/style>\n<div class='flex_column av-av_one_half-9c1d454dc06f7247226bc4e8f931daae av_one_half  avia-builder-el-5  el_after_av_one_half  el_before_av_one_full  flex_column_div av-zero-column-padding column-top-margin'     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914\">\n#top .av_textblock_section.av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914 .avia_textblock{\nfont-size:12px;\n}\n<\/style>\n<section  class='av_textblock_section av-av_textblock-b15ce38063d45fd523a4e8046fa8a914'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Ein anderes Beispiel ihrer Courage. Gegen Ende seiner Amtszeit als Bundeskanzler tat Adenauer, der von Jugend an mit Frau Schmittmann befreundet war, \u00f6ffentlich sein Interesse am Amt des Bundespr\u00e4sidenten kund, verzichtete jedoch ein paar Wochen sp\u00e4ter auf seine Bewerbung, nachdem ihm klar geworden war, dass die Macht des Bundespr\u00e4sidenten doch sehr begrenzt war. Frau Schmittmann fand diesen auch in der \u00d6ffentlichkeit stark kritisierten R\u00fcckzug dem Amt Bundespr\u00e4sidenten gegen\u00fcber als sehr abtr\u00e4glich und schrieb ihm dies auch in einem sehr deutlichen Brief. Adenauer nahm diese Kritik offenbar sehr ernst. Die handschriftliche Antwort erreichte Frau Schmittmann nur wenige Tage sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Frau Schmittmann war eine durch und durch religi\u00f6se und auch fromme Frau, aber in keiner Weise doktrin\u00e4r. Solange sie konnte, besuchte sie auch werktags die Messe in St. Paul, oft begleitet von Maria Walter. Sie hat oft betont, dass sie ohne ihr religi\u00f6ses Fundament die schweren Pr\u00fcfungen ihres Lebens nicht h\u00e4tte bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frau Schmittmann k\u00fcmmerte sich um die Arbeitsgebiete eines jeden Studenten. Aus einer Unzahl von Zeitungen und Zeitschriften,die sie t\u00e4glich las, schnitt sie relevante Artikel aus, die sie oder Fr\u00e4ulein Traud uns am n\u00e4chsten Tag unter der T\u00fcr her schob. Auch im sp\u00e4teren Leben versorgte sie uns z.B. vor Familienurlauben mit informativen Artikeln, dachte an Geburtstage oder Namenstage. Ihre Briefe unterzeichnete sie in der Regel mit &#8222;m.f.&#8220; f\u00fcr &#8222;mater familias&#8220;. Ich glaube, so f\u00fchlte sie sich auch.<\/p>\n<p>Das Veranstaltungsleben im Kreuz-Kolleg war vielf\u00e4ltig. Es bestand in erster Linie aus \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4gen und Diskussionen \u00fcber politische, sozialpolitische, europapolitische und theologische Themen. Auf Grund des hohen Bekanntheitsgrads von Frau Schmittmann hatten wir keine Schwierigkeiten, an sehr gute Referenten aus Politik und Wissenschaft heranzukommen. Oft waren es Minister, Abgeordnete, Professoren, oft auch ausl\u00e4ndische Professoren, die Deutschland kurz vor dem Krieg hatten verlassen m\u00fcssen und die Frau Schmittmann stets zusammen mit zwei oder drei Kollegiaten vorher zu sich zum Tee einlud.<\/p>\n<p>Ein ganz regelm\u00e4\u00dfiger Gast war in den Anfangszeiten Professor Paulus Lenz\u2010Medoc von der Sorbonne, ein fr\u00fcherer Mitarbeiter von Benedikt Schmittmann. Er war ein hervorragender Rhetor und vermochte es, zu allen politischen und gesellschaftspolitischen Fragen, vor allem aber zum deutsch\u2010franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnis Stellung zu nehmen. Er und seine Frau \u00fcbernachteten in der Regel im Hause. Wenn eine Veranstaltung und die \u00fcbliche anschlie\u00dfende Weinrunde um 23 Uhr zu Ende waren, diskutierten wir oft bis ein oder zwei Uhr im Treppenhaus weiter mit ihm. Lenz\u2010Medoc war der Star unter unseren Referenten.<\/p>\n<p>Studienreisen gab es in den f\u00fcnfziger Jahren noch nicht, aber wir erhielten regelm\u00e4\u00dfig Stipendien zu den Salzburger Hochschulwochen und den S\u00e9maines Sociales in Frankreich. Nicht selten dr\u00fcckte Frau Schmittmann den Stipendiaten bei der Verabschiedung einen kleinen Geldschein als Reiseproviant in die Hand.<\/p>\n<p>Im Kreuz\u2010Kolleg der ersten Jahre kam auch das Gesellige nicht zu kurz. Bei Bier und Wein und zum gemeinsamen Kochen trafen sich Hausbewohner fast t\u00e4glich in den K\u00fcchenr\u00e4umen oder in einem unserer Zimmer und diskutierten bis sp\u00e4t in die Nach \u00dcber Gott und die Welt. Der Bunker, das Zimmer, das ich nach meinem Examen f\u00fcr einige Zeit bewohnen durfte, war besonders beliebt. allerdings lag es unter der besonderen Aufsicht von Tante Ella, die von ihrer Wohnung am Sachsenring 51 aus beobachten konnte, wie lange Licht bei mir brannte. Ich kann mich erinnern, dass sie mich einmal aufforderte, endlich Schluss zu machen.<\/p>\n<p>Sehr seri\u00f6s ging es bei sonnt\u00e4glichen Tanztees zu, zu denen Frau Schmittmann gelegentlich einlud. Dazu konnte auch jeder Kollegiat seine Freundin oder Bekannte einladen, aber Frau Schmittmann lud auch stets ein paar Damen aus ihrem K\u00f6lner Bekanntenkreis ein. Man erschien in angemessener Kleidung und alles ging sehr gesittet zu. Frau Schmittmann beobachtete das Geschehen h\u00e4ufig aus dem Hintergrund.<\/p>\n<p>Wir hatten auch einen M\u00e4nnergesangverein mit dem Namen &#8222;Euroklang&#8220;. Sein Gr\u00fcnder und Dirigent Paul K\u00f6tters starb sehr fr\u00fch, und ein Nachfolger liess sich nicht finden. Der Karneval wurde selbstverst\u00e4ndlich im Hause ausgiebig gefeiert, besonders am Rosenmontag ging es im Hause sehr munter zu, denn der Karnevalszug stellte sich zu dieser Zeit am Sachsenring auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr die erste Generation der Hausbewohner war der 75. Geburtstag von Frau Schmittmann unvergesslich. Viel Prominenz versammelte sich im April 1955 aus diesem Anlass in unserem Hause. Bundeskanzler Adenauer hielt eine sehr launige Festrede und heftete ihr das Bundesverdienstkreuz an. Anwesend waren auch Kardinal Frings, der Oberb\u00fcrgermeister, der Regierungspr\u00e4sident, der Rektor der Universit\u00e4t und eine Reihe von Professoren, Vertreter des Adels und nat\u00fcrlich alle Kollegiaten in dunklen Anz\u00fcgen mit silbernen Krawatten, so wie sich das damals geh\u00f6rte. Wir halfen nicht nur bei der Bedienung der G\u00e4ste, sondern hatten auch Gelegenheit, uns mit ihnen auszutauschen. Frau Schmittmann zeigte sich sehr stolz auf ihr Werk, Photos von ihrem Festtag schickte sie in gro\u00dfer Zahl an Bekannte und Freunde.<\/p>\n<p>Alle folgenden besonderen Geburtstage haben wir immer im kleinen Kreis auf dem Marienhof im Siebengebirge gefeiert. G\u00e4ste von Frau Schmittmann waren jedes Mal Bundeskanzler Adenauer und alle Kollegiaten.<\/p>\n<p>Ihren 90. Geburtstag beging Frau Schmittmann in einem Zimmer der Wohnung von Familie Walter, wo Pr\u00e4lat Paul Adenauer eine Messe zelebrierte. Hier f\u00fchlte sich Frau Schmittmann , liebevoll von Familie Walter gepflegt, bestens aufgehoben. Frau Schmittmann starb am 21. Dezember 1970 in ihrer Wohnung. Eine Woche sp\u00e4ter wurde sie auf dem Nordfriedhof in D\u00fcsseldorf neben ihrem Ehemann beerdigt.<\/p>\n<p>Zum Schluss: Ich bin vor 60 Jahren in unser Haus eingezogen, habe sieben Jahre hier gewohnt, war 25 Jahre Mitglied des Vorstands und durfte 17 Jahre von einem engen Verh\u00e4ltnis zu Frau Schmittmann profitieren. Das Schmittmann\u2010Kolleg und viele seiner ehemaligen Bewohner, von denen die meisten nicht mehr unter uns sind, haben f\u00fcr mein Leben eine ganz besondere Bedeutung gehabt. Daf\u00fcr bin ich bis heute sehr dankbar.<\/p>\n<p>So darf es mir gestattet sein, all denen am Ende der sechs Jahrzehnte Anerkennung und Dank zu sagen, die in dieser Zeit unendlich viel Arbeit und Gestaltungskraft in das Kreuz\u2010Kolleg und das Schmittmann\u2010Kolleg gesteckt haben. Das gilt vor allem f\u00fcr die Vorst\u00e4nde von Verein und Stiftung, von denen sich manche nicht mehr an die fr\u00fchere Zeit zur\u00fcckzuerinnern verm\u00f6gen wie mein Schwager Willi Koll. Ein besonderes Wort des Dankes verdient am heutigen Tage die Familie Walter-Hiertz. Sie war von Anfang an die gute Seele des Hauses, immer besorgt um jeden Einzelnen und auch heute noch Anlaufstelle f\u00fcr manche Ehemaligen. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die studentische Gemeinschaft auch eine wirkliche Hausgemeinschaft ist.&#8220;<\/p>\n<\/div><\/section><\/div>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36\">\n.flex_column.av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36{\n-webkit-border-radius:0px 0px 0px 0px;\n-moz-border-radius:0px 0px 0px 0px;\nborder-radius:0px 0px 0px 0px;\npadding:0px 0px 0px 0px;\n}\n<\/style>\n<div class='flex_column av-av_one_full-9497bbf8bff73ea4c6992cc17fa9ec36 av_one_full  avia-builder-el-7  el_after_av_one_half  avia-builder-el-last  first flex_column_div av-zero-column-padding column-top-margin'     ><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-889","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=889"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":902,"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/889\/revisions\/902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schmittmann-kolleg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}